Dörrpflaume returns! Oder: die Revanche im grauen Bremerhaven

Warm, langweilig, warm, oh Trommler!!!! Warm. Warm. Langweilig.

Aber, von Beginn. Am Sonntag den 23. August stand sie an: meine Revanche in der grauen Seestadt.

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Vor ein paar Jahren bin ich dort gestartet, als eins meiner ersten ernstzunehmenden, längeren Rennen. Ich habe seinerzeit so zirka alles falschgemacht was man falschmachen kann. Der Termin war (und ist noch immer) Mitte August. Was unter gewissen Voraussetzungen zu besonderen Wetterverhältnissen führen kann. Demnach war mein erster offiziell vermessener Halbmarathon eine Hitzschlacht. Ich habe im Training nie getrunken und deshalb gar keine Notwendigkeit gesehen, mir einen der Wasserbecherchen zu schnappen. Kostet ja Zeit. Und ist irgendwie auch blöd. Und wohin damit? Einfach an den Rand schmeißen wie die Rüpel vor mir? Pah! Nicht mit mir! Also….ohne Becher über das 22 km lange Asphaltband.

Es kam nun damals auch wie es kommen musste. Ich habe mich, ausgetrocknet wie eine Dörrpflaume, ins Ziel geschleppt. Und weil das irgendwie blöd war,und mir diese Schmach auch nicht aus dem Kopf ging, hab ich beschlossen es nochmal anzugehen.

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Letzte Vorbereitungen: Transponder in den Schuh, Startnummer befestigen, Outfit checken!

Rundkurse finde ich grundsätzlich schon ok. Wenn es ein Marathon ist und es zwei Runden sind. Dann kann man nach der HM-Distanz quasi auf Autopilot schalten, die Gefahr der Verlaufens ist gering – alles gut. In Bremerhaven hat allerdings der Marathon gänzlich vier Runden. Vier Runden sind mir mindestens zwei zu viel. Demnach wurde es die halbe Distanz. Der Start für den Halbmarathon fand, ungewohnt spät, um 10:30 statt. Zu diesem Zeitpunkt war es schon mächtig warm.

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Der Start lief dennoch gut. Der Marathon, welcher eine Stunde früher bereits auf die Strecke ging, wurde an dem Starterfeld vorbeigeleitet, um Staus zu vermeiden. Die Stimmung im Start-/Zielbereich war zwar etwas gedämpft, aber das kann selbstverständlich am norddeutschen Gemüt liegen. Die motivierten Halbmarathonis schieben sich auf die Strecke. Begrüßt von der handvoll wackerer Helden die sich an die ganze (nicht übermäßig aufregende) Strecke gewagt haben. Die Masse an Zuschauern im Startbereich tobt! Oder….klatscht zumindest verhalten.

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Und nein, mein Bruder hatte kein besonderes Interesse an der Blondine in gelb (glaube ich). Wer genau hinschaut kann mich im Hintergrund ausmachen.

Eine Besonderheit der Strecke in Bremerhaven: Die erste Verpflegungsstation befindet sich bereits bei Kilometer 1. Um meinem Plan, jede Station mitzunehmen, nicht direkt zu Beginn zu verreißen habe ich mir pflichtbewusst ein Becherchen geschnappt. Man weiß ja nie wozu es gut ist!

Die Strecke führt in Richtung Bahnhof, nimmt aber (glücklicherweise) vorher einen Turn in den Bürgerpark. Allerdings nicht, ohne vorher durch eine kleine Wohnsiedlung zu führen, die gleichermaßen mein Highlight der Strecke war. Zahlreiche Anwohner hatten ihre Rasensprenger an die Straße gestellt, um Läufern eine Abkühlung zu verschaffen, Kinder standen mit Tröten und Rasseln am Straßenrand während die Eltern Wasser und Cola an die passierenden Läufer ausgaben. Ohne eine offizielle Verpflegungsstation zu stellen, versteht sich. Einfach aus Spaß. In diesem kurzen Stück war mehr Stimmung als auf dem ganzen Rest der Strecke, eingeschlossen den Start-/Zielbereich. Was nicht gerade für die Zuschauer in eben jenem spricht. Ehm. Wie dem auch sei!

Die anschließende Runde durch den Bürgerpark war vergleichsweise unspektakulär. Kurzfristig hatte ich das Gefühl, gen Autobahn zu laufen. Und eben dort traf ich auch Michael, der mich den Rest des Rennens begleiten sollte. Oder ich ihn? Nebensächlich! Kurze Plaudereien und Schimpftiraden über die Wärme inklusive schiebt sich das fröhliche Duo durch die Straßen.

Der “Rückweg” gen Bürgermeister Smidt Straße war ästhetisch wesentlich anspruchsvoller als der Hinweg. Es ging einmal durchs Kapitänsviertel. Bunte Häuser eingeschlossen. Das war doch ziemlich nett. Direkt an der Kurve, welche die Läufer zurück in die Hauptstraße schleuste, stand eine Trommlergruppe. Lediglich zwei Personen, die allerdings einen Rhytmus vorlegten, der mich für eine ganze Weile vorwärts trieb.

Im Start-/Zielbereich großer Jubel von meinen Eltern und Bruder. Der Rest blieb stumm. Ein bißchen wie Fischbeschau. Naja, ich hatte jedenfalls meinen Jubel. Und das war ziemlich super.

Das ganze ging dann in die zweite Runde, die ich ziemlich wie die erste wahrgenommen habe. Nur dass es noch etwas wärmer war. Das Feld wurde zwischenzeitlich von einem Rettungswagen getrennt, der kollabierte Läufer einsammelte. Dieser traurige Schauplatz wurde noch trauriger, durch Überehrgeizlinge welche tatsächlich noch über die verlorenen 10 Sekunden schimpfen, die der Rettungswagen sie gekostet hat. Und ich laufe nun bei weitem nicht in Mitten von Sportskollegen die um ihren Millionendeal mit Asics bangen müssen, sollten sie etwas später über die Matten wanken. Sowas führt bei mir nur zu Kopfschütteln.

Wieder bei der Trommlergruppe angekommen ist das Rennen quasi vorbei und auch dort fällt mir erst auf, dass ich weit über meinem Zeitplan liege. Die Wunschzeit wird sich mit einigen (in Zahlen: 6) Minuten mehr auf der Urkunde schmücken müssen. Was solls.

Beim Zieleinlauf passierte was immer passiert: 3 Meter vor den Zeitmessmatten schiebt sich ein rotkopfiger Mittvierziger mit Schnappatmung und der Enbeschleunigung einer Wanderdüne vor mich und verbirgt somit meinen Kopf in meinem Finisherfoto. Mmmmhpf.

Egal. Bier und Zuckerwasser wartet! Michael gratuliert, der wenige Sekunden vor mir mit seinem Sohn die Ziellinie überquert hatte, kurz die Plastikbecher aneinandergestoßen. Hurra.

Revanche geglückt. Nun kann ich den Haken hinter “Bremerhaven” auf meiner Löffelliste auch endlich setzen.

Komm ich nächstes Jahr wieder?

Unwahrscheinlich!

Aber man soll ja bekanntlich niemals nie sagen.

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Lebe ich noch? Ich lebe noch!

Ich habe schon länger keinen Beitrag mehr verfasst.

Nicht weil ich nicht laufe, mitnichten. Aber der berufliche Alltag nimmt mich doch sehr in Beschlag. Außerdem habe ich nicht das Gefühl, viel berichten zu können – es passiert einfach nicht wahnsinnig viel.

In meinen Entwürfen liegt derzeit noch der Rückblick auf den Bremerhaven Halbmarathon und ein Schuh-Review. Zwei großzügige Gutscheine haben dazu geführt, dass mein Schuhregal sich etwas vergrößert hat – hurra dafür!

Ansonsten laufe ich vor mich hin. Meistens halte ich mich (grob) an die Vorgaben vom Peter. Ein bißchen Substanz muss sein! Manchmal breche ich aus seinem Regime aus und mache was mir gefällt. Inklusive Zunge rausstrecken. Aber im Großen und Ganzen gefällt mir der Plan sehr gut und ich habe das Gefühl, weder über- noch unterfordert zu werden. Schonmal nicht übel.

Für lange Läufe bei diesem Wetter muss ich dennoch eine bessere Strategie finden. Vielleicht das Fahrrad mit zusätzlichen Wasserflaschen irgendwo an einer Strecke parken, die ich umrunden kann. Oder so. Mal schauen…

Die ersten 3 x 3.000

Ja, heute war es so weit. Von Freunden und Bekannten habe ich von Peters liebstem Folterinstrument schon viel gehört.

3 x 3.000m. 

Ich war nicht beeindruckt. Mit 1.500m Trabpause zwischen den Intervallen und 1km Ein- und Auslaufen komme ich auf niedliche 14km. Da hatten wir schon mehr. Und schneller. Und härter. Und überhaupt. Jede Menge Superlative jedenfalls.

Direkt nach dem Loslaufen waren die Beinchen schwer. Stress auf der Arbeit macht den Kopf langsam und legt offensichtlich auch die Beine lahm. Als es Zeit für die ersten 3.000 war, war ich innerlich schon auf dem Weg nach Hause. Aber egal.

“Nun hast du dich schon in die Shorts gequält, nun auf.” – Meisterin der Selbstmotivation am Werk.

Auf gings. Die ersten 2.000 meter waren gut. Mir fiel dann allerdings auf, dass 3.000 meter genau 1.000 meter länger ist, als meine üblichen langen Intervalle. Auch wenn ich jetzt vielleicht spoiler: Der letzte km auf jedem Intervall tat weh.

Die Trabpause tat gut. Und war auch genau 1km länger als meine üblichen Trabpausen. Nach 1.500 metern ist man schon fast wieder frisch, also wohooo, auf zu den nächsten 3.000.

Das hat Spaß gemacht. 

Vor den letzten 3.000 sah ich quasi die Stelle vor mir, auf der Peter schrieb dass man, egal was passiert (Meteoritenschauer, Eiszeit…) das letzte Intervall nicht auslassen soll. 50% des Leistungszuwachses passieren angeblich in eben Jenem. Ich hab es eigentlich schon beim Lesen als pure Motivationsblende durchschaut, trotzdem hat es mich motiviert. Ich hab mich quasi blenden lassen, obwohl ich mich dagegen gewappnet hatte. Mmmpff. Also wurde das letzte Intervall nicht ausgelassen, auch wenns bergauf ging.

Während ich da so aus dem letzten Loch pfeifend durch die pralle Sonne stiefel, überholen mich zwei ältere Herrschaften auf Rentner-Drohnen. “Ui, Sie sind ja schnell unterwegs, meine Güte” rief die Frau. Ob sie das nun nur gesagt hat, weil sie beim Angesicht meines tomatenroten Hauptes das Mitleid packte, oder ob sie tatsächlich dachte mein undynamisches “den-Berg-raufwackeln” wäre schnell kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Ich bin jedenfalls mindestens einige Zentimeter gewachsen. Wenns schon nicht zu olympischen Gold reicht, kann man wenigstens das eine oder andere Kompliment mitnehmen.

Zuhause gab es einen Berg Pasta. Belohnung muss sein.

3 x 3.000 meter ist nicht für Warmduscher. Weiß ich nun auch. Verzeihung an dieser Stelle an alle, die bei Erwähnung dieser Einheit von mir ein leichtes Nasenkräuseln als Antwort bekommen haben. Nehm ich zurück. Ihr seid Helden.

Die gemütliche Hausrunde

Aufgrund des starken Unwetters letzte Nacht, wurde der Plan heute für den langen Lauf in die Baumberge zu fahren gestrichen. Das ganze passte auch zum vollen Terminkalender des Tages. Und auf einen langen Lauf auf Asphalt hatte ich irgendwie keine rechte Lust. (Allgemeine Meckerstimmung)

Was solls?! Also wurde es die gute alte Hausstrecke. Gemütliche 13km vertreiben auch das Unwohlsein in der Magengegend. Die gute alte Hausrunde ist doch des Läufers Allheilmittel.

Unbenannt

Der Münster Marathon naht und naturgemäß sind die typischen Laufstrecken der Stadt bevölkert von Läufern aller Leistungsklassen. Meine Strecke ist keine Typische. Dennoch kamen mir allerlei Menschen entgegen, anstatt nur dem üblichen Trecker. Aber wer kann es ihnen aber auch verdenken?! Nach dem heißen, drückenden Wetter der letzten Tage (fast schon Wochen) war es heute angenehm warm und sonnig, mit einem leichten Wind. Perfektes Sommerlaufwetter. Und, für Wärmeliebhaber wie mich, das beste Laufwetter überhaupt. Ich hab also gegrüßt, genickt und ein mal sogar freudig gewunken. Ungewohnt für jemanden, der sonst nur winkt, um die Bremsen zu verscheuchen.

Hinter den 13 km des heutigen Tages stehen in meinem Notizbüchlein drei fröhliche Smilies. Nicht mal das leichte Drücken in den Achillessehnen kann da die gute Stimmung noch verhageln.

Ich beende somit die Laufwoche mit 55,8km.